Das AStA Verkehrsreferat und die BI Verkehrswende laden zu einer öffentlichen Veranstaltung ein.
Perspektiven für eine moderne, öffentliche Verkehrsinfrastruktur sollenvorgestellt und diskutiert werden.
Nach einer ersten Impulsveranstaltung mit dem Verkehrswissenschaftler Prof. Heiner Monheim im Februar 2024 bildete sich eine „Arbeitsgruppe Seilbahn“, die das Verkehrsmittel "Urbane Seilbahn" als
mögliche Ergänzung des ÖPNV in Marburg weiter betrachtet hat.
Ausgehend von bereits bestehenden Verkehrstrassen rund um den Marburger Hauptbahnhof könnte eine städtische Seilbahn zu den Pharmastandorten Marbach und Görzhausen die derzeit sehr angespannte
Verkehrssituation in der Ketzerbach erheblich verbessern. Damit wären Arbeitsplätze außerhalb der Kernstadt schneller erreichbar. Ebenso könnte eine Seilbahn zum Unicampus Lahnberge und dem UKGM
für eine deutliche Entlastung des bestehenden Busverkehrs sorgen und eine kürzere und bequemere Verbindung zu diesen wichtigen Standorten schaffen. Für Studierende, Beschäftigte und Besucher,
aber auch für Pendler und alle Stadtbewohner*innen entstünde somit eine neue Ost-West Verbindung, die schnell, komfortabel und zudem klimafreundlich wäre.
Mit dem Beschluss der Stadt Marburg, die Realisierung des Oberleitungsbussystems vorerst auszusetzen, bietet sich nunmehr die Chance, über zukunftsfähige Alternativen für den öffentlichen
Nahverkehr in Marburg weiter nachzudenken und konkrete Lösungsansätze zusammen mit der Stadtgesellschaft zu entwickeln.
Dabei lohnt sich ein Blick auf andere Orte, in denen es bereits städtische Seilbahnprojekte gibt, die in Entwicklung (Herne), kurz vor Baubeginn (Bonn) oder nahezu fertiggestellt (Paris)
sind.
Um aus den Erfahrungen anderer Projekte zu lernen, sind bei der Veranstaltung drei kurze Impuls-Vorträge und eine anschließende Podiumsdiskussion vorgesehen.
Die Referenten werden die Thematik aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und dabei auch einen Bezug für Marburg herstellen. Die Moderation der Veranstaltung wird von Prof. Dr. Jan Christoph
Goldschmidt (Universität Marburg) übernommen.
Wir hoffen auf ein sehr interessiertes Publikum, auf viele neue Fragen und auf anregende Diskussionsbeiträge.
Termin und Ort der Veranstaltung:
Mittwoch, 19. Nov. 2025 um 18 Uhr,
Alter Physik-Hörsaal, Renthof 5, 35037 Marburg
Eintritt frei
In Marburg mit seiner besonderen Berg- und Tallage bietet es sich an, Seilbahnen punktuell einzusetzen, die an den übrigen Verkehr gut angebunden sind. Idealerweise
sind Seilbahnen ein Teil des ÖPNV beziehungsweise ergänzen diesen an entscheidener Stelle. In Marburg kämen verschiedene Höhenlagen dafür in Frage, z. B. das Marburger Schloss, Lahnberge oder
auch der Stadtwald. Am notwendigsten wäre aber zurzeit eine Verbindung nach Görzhausen und den anderen Standorten der Pharmaindustrie, um zu einer deutlichen Verkehrsentlastung zu kommen, da
täglich mehr als 7000 Menschen diese Standorte erreichen müssen. Der weitere Ausbau der Pharmastandorte würde die Zahl noch weiter erhöhen. Die Folgen von dem Verkehr dorthin sind gegenwärtig in
der Innenstadt (Ketzerbach) sehr deutlich spürbar und führen zu Staus, Lärm- und Umweltbelastung. Auch weitere Anbindungen der Seilbahn ans Umland sind denkbar, da von mehreren Seiten Menschen
die Pharmastandorte erreichen müssen.
Schon spätestens ab 2014 wurde eine Seilbahn als eine ökologisch günstigste Lösung für eine Anbindung an die Lahnberge mit Klinikum und dem wachsenden Campus
Lahnberge vorgeschlagen. Dabei spielten ungenügende Informationen auch über die Möglichkeiten einer Umsetzung einer Seilbahn sowie zu einseitig gedachte Vorbehalte und Interessen mit
entsprechender Polemik eine Rolle. Die damalige politische Situation führte letztendlich nicht zu einer Verwirklichung.
Angesichts des Klimanotstands in Marburg ist es jetzt notwendig über das klimafreundlichste Verkehrsmittel Seilbahn zur Überwindung von Höhenlagen erneut nachzudenken.
Als Vorbild könnte vielleicht Bonn dienen. Dort sind die Pläne für ein Seilbahn-Projekt bereits vorangekommen.
https://www.seilbahnbonn.de/ und https://bonn.de/seilbahn
Solche umweltfreundlichen Projekte werden vom Bund gefördert. In diesem Zusammenhang ist der Leitfaden "Urbane Seilbahnen im öffentlichen Nahverkehr", der von der Bundesministerium Digitales und Verkehr herausgegeben worden ist, weiterführend. Er stellt ein Handlungsleitfaden für Kommunen, Verkehrsunternehmen und Verbünde dar und zeigt, dass das Einsetzen von urbanen Seilbahnen erheblich mehr Anerkennung in der öffentlichen Diskussion gefunden hat.
Die BI Verkehrswende hatte in diesem Sinne am 01.02.24 eine Veranstaltung mit Prof. Heiner Monheim zum Potential von Seilbahnen für die Lösung von Verkehrsproblemen
in den Städten durchgeführt. Der Vortrag war mit ca. 100 Interessierten sehr gut besucht. Der am Folgetag stattgefundende Workshop bestätigte, dass die Schaffung von Seilbahnen in Marburg einen
innovativen Weg für eine umweltgerechte Verkehrsgestaltung darstellt.
Inzwischen hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die in fundierter Weise sich mit Thema Seilbahn in Marburg auseinandersetzt und dazu Weiteres erarbeiten wird. Empfehlenswert ist dazu sich den neuen Vortrag von Prof. Heiner Mohnheim anzusehen (Download findet sich weiter unten).
Kontakt zur AG Seilbahn unter [email protected]
Eine weitere interessante Möglichkeit der Zukunft findet sich hier:
https://www.upbus.rwth-aachen.de/
Bei einem upBUS handelt es sich um hybrides Mobilitätskonzept, bei dem ein Fahrzeug zwischen einer
Luftseilbahn und einem autonomen Busbetrieb wechseln kann.