Bürgerinitiative Verkehrswende in Marburg


Gründung am 09.02.2017

Verkehr in Marburg

Folgen des Verkehrs

Wohin die Wende


Die BI Verkehrswende trifft sich bis auf Weiteres in einer Telefonkonferenz. Das nächste telefonische Treffen ist am 03.06.20 um 20 Uhr in der Pfarrkirche statt mit Sicherheitsabstand und Mundschutz statt.


Kundgebung & Fahrraddemo zur Verkehrswende    23.05.2020, 11 Uhr

Brüssel, Mailand, … Marburg? Im Rahmen der Covid-19-Infektionen entwickelt sich das Fahrrad derzeit zum Verkehrsmittel erster Wahl. Auch in Marburg muss der Verkehrsraum jetzt neu verteilt werden.

 

Im Hinblick auf einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und den Menschen müssen Fuß-, Rad- und ÖPNV-Mobilität radikal gestärkt werden.

 

Die BI Verkehrswende, Greenpeace Marburg und Attac Marburg rufen deshalb gemeinsam zu einer Kundgebung und Fahrraddemo auf.

 

 

 

Am Grün muss für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben und dazu für den PKW-Verkehr gesperrt werden. Das schließt für Radfahrende die Nord-Süd-Achse und stärkt den Einzelhandel vor Ort.

 

Die Planungen für eine sichere und nachhaltige Verkehrsführung am Schulzentrum in der Leopold-Lucas-Straße müssen sofort umgesetzt werden. Kernbestandteil ist dabei die Sperrung für den PKW-Verkehr zu Schulbeginn/-ende.  

 

Der Pilgrimstein muss in beide Richtungen für den Radverkehr freigegeben werden und dazu für den Durchgangs-PKW-Verkehr gesperrt werden. Die noch etwa zwei Jahre anhaltende Baustelle darf nicht das nachhaltigere Verkehrsmittel verdrängen!

 

Der Beschluss zur Umgestaltung der Uferstraße in eine Fahrradstraße muss jetzt umgesetzt werden.

 

Wir treffen uns am Samstag, dem 23. Mai, um 11 Uhr auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz und werden von dort aus eine Fahrraddemo durch neuralgische Punkte der Stadt machen. Vor allem wollen wir die Lage Am Grün thematisieren: DA muss sich rasch etwas ändern!

 


Die aktuelle Krise und die notwendige Verkehrswende

(Von Johannes M. Becker, Konfliktforscher, Pressesprecher der BI Verkehrswende Marburg)

 

Um gleich mit der schlechtesten Entwicklung zu beginnen: Die großen Autokonzerne verlangen derzeit (18.4.2020) von den politischen Gremien eine rasche Wiederaufnahme ihrer Volllast-Produktion, verlangen gar vom Staat die berüchtigte „Abwrackprämie“ – das alles natürlich ökologisch verbrämt. Das Ziel: Die Krise zum Umsteuern nutzen in Richtung Elektro(Auto)mobilität.

Wer gedacht hatte, das Gesundheitsdesaster und in seiner Folge bemerkenswerte Entwicklungen im Verkehrsverhalten (spürbarer Rückgang des Automobilverkehrs, Zunahme der Nutzung des Fahrrades) würden die „große Politik“ zum Nachdenken und Umsteuern bringen, sieht sich gerade böse enttäuscht. Werfen wir einen Blick auf das Gutachten der berüchtigten Leopoldina-Gruppe, in dem es am Ende heißt: "An einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung festhalten. Die in der Krise getroffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen müssen sobald wie möglich zugunsten eines nachhaltigen Wirtschaftens im Rahmen einer freiheitlichen Marktordnung rückgeführt oder angepasst werden. Dazu gehören der Rückzug des Staates aus Unternehmen, sofern krisenbedingt Beteiligungen stattfanden, und der Abbau der Staatsverschuldung. An der Schuldenbremse ist im Rahmen ihres derzeit geltenden Regelwerkes festzuhalten. Dies erlaubt, gerade in so besonderen Zeiten wie diesen, eine deutlich höhere Verschuldung, verlangt aber bei Rückkehr zur Normalität wieder deren Rückführung."
Das heißt im Klartext: Die Nationale Akademie der Wissenschaften empfiehlt den Herrschenden, so weiterzumachen wie bisher. Umsteuern durch zukunftsweisende Infrastruktur-Investitionen ist nicht einmal im Gesundheitswesen angedacht. Von der Verkehrspolitik ganz zu schweigen!

Dabei liegen hier die Probleme wie aber auch die Chancen buchstäblich auf der Straße!

• Viele Menschen steigen derzeit auf das Fahrrad um, und zwar nicht nur zu Freizeitzwecken.
• Dieser Trend wird sich fortsetzen und verstärken bei Semesterbeginn und mit dem Wiederanlaufen der Lehrtätigkeit an Schulen.
• Viele Menschen jeglichen Alters bemerken die Verminderung des Lärms und der Abgasemissionen sehr positiv.
• Plötzlich kann Deutschland gar auf das Erreichen der Klimaziele im Jahr 2020 hoffen…
• …
Was jetzt dringend angegangen werden muss:

1. Auf nationaler Ebene:
a) Das Verbot von Inlandsflügen.
b) Der strukturierte Ausbau des ÖPNV und des nationalen (wie grenzüberschreitenden) Bahnverkehrs.
c) Hier müssen insbesondere Konzepte der Kundenbindung erarbeitet werden, damit nicht Massen von Menschen aus Angst vor Ansteckung mit Viren von ÖPNV und Bahn auf den MIV umsteigen. Hier müssen Ausgrenzungen dringend vermieden werden. Der ÖPNV muss quantitativ und Qualitativ ausgebaut werden.
d) Vor der Krise für „unmöglich“ erklärte mobilitätsvermeidende Telefonkonferenzen, SKYPE-Treffen oder vieles mehr ist ebenso auf seine langfristige Tauglichkeit zu überprüfen wie (vernunftgesteuertes) Homeoffice: Hier kann ungemein viel Verkehr eingespart werden! Generell sollte die Krise auch dringend genutzt werden, über den in den vergangenen Jahrzehnten gewachsenen Arbeitsstress (wie auch bestimmte Formen des Konsumwahns) zu reflektieren.
e) Insgesamt müssen Produktion, Zirkulation und Reproduktion unserer Gesellschaften neu geregelt werden. Die rücksichtslose Gewinnerzielung darf nicht weiter das leitende Moment dieser drei Faktoren sein.
f) …


2. Auf regionaler und lokaler Ebene:
a) Sperrung von Straßen für den MIV und Umwidmung in Fahrradstraßen oder, besser noch, verkehrsberuhigte Shared-Space-Bereiche. In Marburg muss – nur ein Beispiel - der Pilgrimstein bis zum Parkhaus für Autos gesperrt werden! Und nicht für Radler*innen!
b) Städte wie Marburg müssen den anstehenden Schulbeginn und damit die enorm steigenden Nutzungsmöglichkeiten (viele Schüler*innen werden den ÖPNV zunächst meiden) für das Fahrrad nutzen, um jetzt Straßen und Fahrspuren umzuwidmen!
c) Die Umstrukturierung der Verkehrssituation in Schulzentren, bspw. in der Leopold- Lukas-Straße, muss JETZT angegangen werden!
d) Die neuen Verkehrsregeln betreffend den Fahrradverkehr, vor allem betreffend den Abstand, können und müssen jetzt kommuniziert und eingeübt werden.
e) Das Konsum- und Versorgungsverhalten kann und muss in der aktuellen Lage überdacht und transformiert, gar revolutioniert werden: Der Irrsinn der Lebensmittelverschickung zum Zwecke der Steuerersparnis muss verboten werden. Regionale und ökologische Versorger*innen und ihre Lieferketten sind zu stärken.
f) …
Wir können die akute Krise für ein langfristiges Umdenken und Umsteuern nutzen – auch in der Verkehrspolitik! Dabei scheint es außer Zweifel, dass auch die Grundfesten des politischen und wirtschaftlichen Denkens und Handelns unserer Gesellschaft zur Disposition stehen. Die „marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung“ muss abgelöst werden von zutiefst demokratischen Formen der Politik und des Wirtschaftens. Lasst uns damit in Marburg beginnen!


Der Verkehr in Zeiten der Corona-Krise (Pandemie durch SARS-CoV-2)

Es ist angenehm ruhig in Marburg geworden. Viele Fahrräder und wenig Autos werden gefahren. Die Luft ist deutlich besser und es herrscht weniger Lärm. Was fehlt ist das mehr an Platz für die Radfahrer, denn auch die müssen jetzt mehr Sicherheitsabstand wahren. Völlig unverständlich ist daher die Entscheidung der Stadt, den Pilgrimstein jetzt für Radfahrer zu sperren. In Berlin wurden in 48 Stunden Autofahr-Spuren in Fahrradstraßen umgewandelt. Die deutsche Umwelthilfe ruft dazu auf, dass während der Corona-Krise mehr sichere Fahrradstraßen geschaffen werden. Was ist los in Marburg, dass man die Zeichen der Zeit nicht erkennt? Auch in Zukunft wird es wichtiger denn je sein, dass wir saubere Luft in unseren Städten haben. Die Luftverschmutzung trägt zu Lungen- und Herzerkrankungen bei und das verschlechtert auch die Abwehr gegen SARS-CoV-2. Die BI fordert jetzt die Umwandlung des Pilgrimstein in eine sichere Fahrradstraße. Die Anfahrt zum Parkhaus ist zu vernachlässigen, denn es gibt jetzt kein Parkplatzproblem mehr in Marburg.

Wer die Umwandlung in Fahrradstraßen in Marburg möchte, kann sich auf der Webseite der DUH dafür einsetzen:

https://www.duh.de/fahrradstrassen-jetzt/#c76666


Bahnhofstraße: Radfahrer müssen schieben

In Marburg wurde der Klimanotstand ausgerufen und was passiert in der Verkehrspolitik? Nach wie vor bekommen Autos den Vorrang in der Stadt. Nur ein Beispiel ist die Verkehrsregelung Bahnhofstraße /Ecke Robert-Koch-Straße. Der relativ neue Fahrradweg endet abrupt an der Kreuzung mit einer Bordsteinkante. Hier sollen die Radfahrer absteigen und schieben, um nicht in Konflikt mit den Fußgängern zu geraten. Die Durchfahrtzeit für Autos an der Ampel darf nämlich nicht verringert werden, sonst würde das nach Ansicht der Stadt die Kreuzung sprengen. Wieder einmal ist hier eine Entscheidung zu Gunsten des Autoverkehrs getroffen worden. Der umweltfreundliche Radverkehr hat also zurückzustehen. Bei Gleichberechtigung müsste doch auch der Autofahrer sein Fahrzeug über die Kreuzung schieben oder? Merkwürdig, dass so etwas nicht vorgeschlagen wird. Da entlarvt es sich wieder: das autozentrierte Denken. So werden unattraktive Bedingungen für den Radverkehr geschaffen, die den Spott verdienen.


Mit dem Fahrrad zum Bahnhof

 

Und wie sieht es mit dem Abstellangebot für Fahrräder am Hauptbahnhof in Marburg aus?  Note: mangelhaft! Dem entsprechend sieht es am Bahnhof aus, wie die Fotos dokumentieren. Die Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat, kümmert sich nicht um Fahrradstellplätze. Sollen die umweltbewussten Radler doch sehen, wo sie ihre Fahrräder parken. 

 


Critical Mass

Die nächste Critical Mass finden statt ab Firmaneiplatz:

am  16.04.2020 jeweils um 17 Uhr

siehe auch hier


Green City


Fair im Verkehr in Marburg



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